Unser Bildungskonzept
Der bewegungsfreudige Kindergarten als Bildungsort
In einem bewegungsfreudigen Kindergarten werden Bewegung, Wahrnehmung und Kommunikation als elementare Erkenntnis- und Ausdrucksmöglichkeiten von Kindern betrachtet und in den Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit gestellt. Ziel ist es, den Kindern mehr Raum für Bewegungsspiele, für Sinneserfahrungen und für intellektuelle Leistungen zu verschaffen. Der Kindergarten wird zu einem Handlungs- und Erfahrungsraum, der Kindern vielseitige Anregungen und Impulse zum Lernen gibt. Denn die körperliche, soziale und intellektuelle Entwicklung von Kindern vollzieht sich nur zu einem geringen Teil über bewusste Erziehungsmaßnahmen und verbale Anleitungen. Kinder können nicht belehrt werden, sie können nur selber lernen. Dabei sind sie aktiv schlussfolgernde Denker, die hinter die Dinge schauen wollen. Höchst bedeutsam sind die praktischen Erfahrungen, die Kinder in ihrem Alltag machen. Wichtig ist daher eine positiv aktivierende soziale und natürliche Umwelt, in der das lebenspraktische Handeln ausgeübt wird. Sie bestimmt über Richtung und Qualität der Erfahrungen, die Kinder machen können.
Außerhalb der Familie ist der Kindergarten der zentrale Ort, an dem Kinder ihren Alltag erleben und Erfahrungen gewinnen. Hier ist es am ehesten möglich, zivilisationsbedingten Bewegungsmangel und die damit verbundenen Folgen auszugleichen. Im Kindergarten kann im wahrsten Sinnen des Wortes Bewegungsraum gegeben werden. Bewegungsraum, der alle Sinne anspricht, Chancen für vielfältige Wahrnehmungs- und Lerngelegenheiten eröffnet sowie die ganzheitliche Entwicklung von Kindern fördert.
Entsprechend begreifen wir Bewegung als pädagogisches Prinzip: Kindern wird die Möglichkeit gegeben, umfassende Erfahrungen mit ihrem Körper und mit all ihren Sinnen zu machen. Bewegung wird so in den Tagesablauf integriert, dass über die angeleiteten, regelmäßigen Bewegungsangebote hinaus, das Erfahren der Umwelt durch eigene Bewegung zum allgemeinen pädagogischen Prinzip wird.
Dazu zählen Angebote der Psychomotorik und Bewegungserziehung sowie Bewegungslandschaften zum Erproben der Grundbewegungsformen: Schaukeln und Schwingen, Klettern, Hängen und Hangeln, Steigen, Hüpfen und Springen, Laufen und Balancieren, Fliegen und Schweben, Werfen und Fangen, Gleiten und Fahren …. Ebenso gehört das Konzept der Bewegungsbaustelle dazu. Sie ist der Prototyp des offenen Bewegungsangebots: Bretter, Kisten, Autoreifen, Rohre, Holz und andere Alltagsmaterialien laden zum (körperlichen) Experimentieren ein und können immer wieder neu zu wunderbaren Spielparadiesen arrangiert werden. Die Gestaltung der Räumlichkeiten und der Freiflächen tragen dazu bei, dass Bewegung zu einer Kombination von alltäglicher Selbstverständlichkeit und außergewöhnlicher Attraktion in der Erfahrungswelt Kindergarten wird.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ein bewegungsfreudiger Kindergarten ist keine Einrichtung, die den Tagesablauf komplett mit Bewegung und Sport füllt. Allerdings geben wir der täglichen Bewegung breiten Raum und verknüpfen die Bewegungsaktivitäten der Kinder mit spielerischem Handeln, kreativen Angeboten und anderen Aktivitäten, die für ihre Entwicklung wichtig sind.
Gleichfalls wird der Förderung der sprachlichen Entwicklung der Kinder große Aufmerksamkeit geschenkt, denn Sprache ist das Mittel, worüber wir unsere Erfahrungen, Gedanken, Ideen und Gefühle mitteilen können. Ihre Förderung findet eng eingebunden in das Tagesgeschehen des Kindergartens statt. Entsprechend nutzen die Erzieherinnen die Vielfalt von Sprachanlässen im Alltag zur individuellen Unterstützung der Kinder: Das beginnt mit der Begrüßung des Kindes in der Gruppe, findet seine Fortführung in dem Austausch über Erlebnisse, gemeinsames Sprechen von Gedichten, Fingerspielen, Tischgespräche bei den Mahlzeiten - und endet erst mit der Verabschiedung des Kindes. Die Erzieherinnen führen für jedes Kind ein Sprachlerntagebuch, in dem die aktuellen Entwicklungen vermerkt werden - so stellen sie sicher, dass bei Bedarf zusätzliche Förderung gegeben werden kann.
Zur allgemeinen Unterstützung der sprachlichen Entwicklung werden wiederum Bewegungsangebote eingesetzt, weil von ihnen vielfältige Impulse für den Spracherwerb ausgehen. „Erfahren die Kinder Sprache durch Bewegung und damit als körperliches Empfinden, führt das zu einem wesentlich besseren Sprachverständnis. Die Förderung der Sprache muss deshalb unbedingt mit Sport- und Bewegungserziehung einhergehen.“
Methodik und Didaktik von bewegungsorientierten Modellen zum Spracherwerb werden aktuell in einem bundesweiten Projekt mit dem Deutschen Jugendinstitut München erarbeitet, an dem wir mit einem Kindergarten als einziger Berliner Einrichtung beteiligt sind.
Somit erfasst der pädagogische Alltag eines bewegungsfreudigen Kindergartens eine Vielzahl von Lernbereichen und schafft Situationen, die der Lebenswirklichkeit von Kindern entsprechen. Die jeweiligen Inhalte können, je nach Aktivität, einem oder mehreren Entwicklungsbereichen - und damit auch verschiedenen Bildungsbereichen des Berliner Bildungsprogramms - zugeordnet werden.
A LEITGEDANKEN DES ´BEWEGUNGSFREUDIGEN KINDERGARTENS´
- Aktueller Kontext
Deutliche Befunde: Pisa-Studie und Motoriktests
Kritische Tendenz: Spiel- und bewegungsarme Lebenswelt - Lernen durch Bewegung
Bewegung als Zugang zur Welt
Bewegung und Intelligenzentwicklung
Bewegung, Sprachentwicklung und Rechenkünste - Bewegung als Voraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden
B IDEE DES ´BEWEGUNGSFREUDIGEN KINDERGARTENS´
C PÄDAGOGISCHE BAUSTEINE DES ´BEWEGUNGSFREUDIGENKINDERGARTENS´
- Vorbemerkung
- Bewegung als pädagogisches Prinzip
- Kommunikation und Sprache
- Musik, Rhythmik und Tanz
- Erfahrungen durch kreativ gestaltendes Handeln
- Erfahrungschancen durch Projekte
Bildungskonzept Inhalt
A LEITGEDANKEN DES ´BEWEGUNGSFREUDIGEN KINDERGARTENS´
B IDEE DES ´BEWEGUNGSFREUDIGEN KINDERGARTENS´
C PÄDAGOGISCHE BAUSTEINE DES ´BEWEGUNGSFREUDIGEN- KINDERGARTENS´



